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Ein Geisterschiff vor Island

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Eine Entdeckung mitten im Atlantik Ende Februar: Lyubov Orlova, ein Schiff, das in der Wasserwüste des Atlantik über Island Richtung Irland treibt und als einstiges Expeditionsschiff diente, hat sich nach Jahren über eine Notfunkmeldung selbst bemerkbar gemacht. Wie ist noch nicht bekannt. Ein herrenloses, menschenleeres „Boot“ gefüllt mit Erinnerungen aus früheren, fast mittelalterlichen Zeiten, wenn man an das Leben auf dem Meeres-Koloss denkt.

Die Lyubov Orlova wurde bereits im Sommer 2009 schon einmal gesichtet, als sie von St. Johns in Neufundland direkt über die Halbinsel Labrador in Richtung Norden trieb und ihre Fahrt unbeirrt fortsetzte. Der Atlantik harmoniert schon lange still und heimlich mit dem Geisterschiff, wie es heute genannt wird, vorangetrieben von Wind und Regen.

Mission Hebron

Als das Schiff zu erlebnisgetragenen Fahrzeiten vor Hebron Anker fand, erzählte der Inuit Tivi Etok den Passagieren, wie sein Vater jährlich mit dem Schlitten kam, um Fuchsfelle gegen Mehl, Tee und andere Speisen einzutauschen. Hierzu wurde sich im Lecture-Raum versammelt und elf Tage lang war das Schiff, das nun vor Island treibt, Gesprächsthema und Ziel von Erfahrungen, die zu Erzählungen wurden und Leben in sich trugen. So auch Lyubov Orlova selbst, ganz ohne Inhalt, aber mit vielen Geheimnissen in den Ecken und verschrobenen, wie zerfallenen Gängen. Die Geschichten an Bord hielten die Menschen jung.

Reise im Nordatlantik

Im Herbst 2010 wurde das Schiff in St. Johns zunächst angelegt. Ein Veranstalter wollte das Schiff gegen eine Zahlung von 250.000 Dollar erwerben, weil eine Reise damit unmöglich war. Es wurde schließlich an einen Iraner verkauft und sollte in die Dominikanische Republik verschleppt werden.

Allerdings gelang das nicht, weil der Transport schon zu Beginn in die „Brüche“ ging. Das Tau riss ab und das Schiff wurde sich selbst überlassen, trieb in den Atlantik hinein. Seitdem hatte niemand mehr Interesse bzw. es wusste keiner, wo die Lyubov Orlova hingetrieben war, nur, dass sie herrenlos im Meer schwimmt. Bis heute.

Welchen genauen Standpunkt die Flotte derzeit hat, weiß niemand so genau. Nur ihr Rufsignal wurde ein paar Tage nach Verschwinden abgegeben und erweckte neues Aufsehen in den Schlagzeilen.

Hintergrund

Die Lyubov Orlova ist ein ehemaliges Passagierschiff, das im Jahr 1976 als üblicher Liniendampfer für die Seerederei der Sowjetunion startete und in Wladiwostok von Land trieb. Im Jahr 1999 wurde sie als Kreuzfahrtschiff umgebaut, um in Polargebieten Kreuzfahrten anbieten zu können. Im September 2010 allerdings wurde sie festgesetzt und wegen zu vieler Schulden von kanadischen Behörden an Land gesichert. Die Versteigerung an Kauflaute aus dem Iran scheiterte.

Zuletzt sollte sie im Januar 2013 abgeliefert werden zur Abwrackung. Sie riss sich los und treibt seit 23. bzw. 31. Januar herrenlos im Meer. Nach ihrem Rufsignal konnte auch die irische Küstenwache ihre Position im Atlantik nicht filtern und es wird vermutet, dass das Schiff gesunken ist. Denn automatische Rufsignale werden nur beim Sinken eines Schiffes abgegeben bzw. kann es in diesem Fall auch sein, dass sich eines der Rettungsboote gelöst hat.

Die Route des Schiffes wird derzeit auf Irland vermutet, wenn der Dampfer denn noch gesichtet wird. Für eine Restauration wäre es in jedem Fall zu spät, auch am Kauf des Meeresbewohners wird kein Mensch nunmehr Interesse zeigen. Sie ist inzwischen eher von ideellem Wert und als Museumsstück geeignet, falls sie überhaupt noch auf dem Atlantik treibt oder nicht inzwischen nach ihrem letzten Hilferuf auf dem Grund des Nordatlantik irgendwo Tausende Kilometer neben den Resten der Titanic ihren Ruhepol gefunden hat.

Es ist wohl wie bei einigen Stars oder Schriftstellern: Sie erlangen erst dann Berühmtheit, wenn ihr Tod Aufsehen erregt und dann erhält all das, was sie vollbracht haben, noch mehr Wert.

So auch beim Geisterschiff Lyubov Orlova: Seit sie keinen definierten Knotenpunkt mehr im System des Meeres aufzeigt, wird sie interessant für die Menschen in der Weite des Landes um sie herum.

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